Paul Schultze-Naumburg - Herkunft und frühe Jahre

Gustav Adolf Schultze mit Sohn Paul   Paul Schultze-Naumburg kam am 10. Juni 1869 als Paul Eduard Schultze in Almrich, einem Dorf bei Naumburg an der Saale (heute eingemeindet), zur Welt. Sein Vater Gustav Adolf Schultze (1825-97) war Porträtmaler und seine Mutter die gebürtige Emma Lienemann.(1833-95)
Der Vater hatte bei
Johann Gottfried von Schadow und Eduard Magnus in Berlin studiert.
Zum väterlichen Freundeskreis zählten u.a.
Emanuel Geibel, Paul Heyse und Franz Theodor Kugler der das .Lied "An der Saale hellem Strande" verfasste.
  Paul Schultze-Naumburgs Mutter
Gustav Adolf Schultze mit Sohn Paul
um 1872
      Paul Schultze-Naumburgs Mutter

 

Haus Lindenring 4 in Naumburg   Aus der 1854 geschlossenen Ehe gingen 6 Kinder hervor: 1854 eine Tochte Fanny, 1855 der älteste Sohn Richard, 1857 Max, 1861 Arthur, 1867 Joh. Katharina (lebte nur 1 Monat) denen Paul als jüngster folgte.
Kurz nach der Heirat zog das Paar in das Haus Lindenring 4 in Naumburg.

Dort verkehrte dann auch häufiger der junge
Friedrich Nietzsche.

In diesem Haus verbrachte Paul Schultze seine Kindheit und Jugend.
Zitat Paul Schultze-Naumburg:
"ein wunderschönes Haus mit fünf Fenstern, zwei Stockwerken und einem Mansardendach, von dem ich annehme, daß es für meine architektonische Haltung nicht ohne Einfluss geblieben ist."
Haus Lindenring 4 in Naumburg    

 

Paul Schultze im Alter von ca. vier Jahren   Schon in seiner Kindheit fing Paul Schultze-Naumburg zu zeichnen an. Sein Vater erteilte ihm selbst den ersten Zeichenunterricht. Auch in die Dichtung wurde der Knabe frühzeitig eingeführt.
Neben der Freude am Zeichnen war bei Paul Schultze auch ein Interesse für Literatur und Naturwissenschaft vorhanden.
  Paul Schultze als Jugendlicher
Paul Schultze im Alter
von ca. vier Jahren
      Paul Schultze als Jugendlicher

 

  Paul Schultze besuchte zunächst die Domschule und dann das Realgymnasium in Naumburg.
Förderung erhielt er auch durch seine vierzehn Jahre älteren Bruder Richard, über den es zu einer ernsthaften Beschäftigung mit der Architektur kam. Richard hatte in Berlin bei
Carl Schäfer Architektur studiert und nahm an zahlreichen Wettbewerben teil, wobei er häufig Pauls Hilfe beanspruchte.
Paul Schultze als Jugendlicher    

 

Nach dem Abitur (1886) ging Schultze-Naumburg zunächst auf die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe.
Bereits ein Jahr später wechselte er zur Kunstakademie in Karlsruhe, wo er 1893 sein Abschlusszeugnis erhielt.
In dieser Zeit war er auch für zwei Semester Gasthörer an der Technischen Hochschule in Karlsruhe im Bereich Architektur.
 
Um eine Verwechslung mit einem gleichnamigen Schüler auszuschließen hatte Schadow Paul Schultzes Vater Gustav Adolf einfach den Namen der väterlichen Geburtsstadt an den Familiennamen angehängt. Dies wurde von Paul Schultze wieder aufgegriffen, der sich seit Beginn seiner Studienzeit dann Paul Schultze-Naumburg nannte.
 
Nach dem Studium begab er sich nach München, um eine private Mal- und Zeichenschule zu gründen, die er ebenfalls 1897 in Berlin etablierte.
Schon während der Gründung seiner Mal- und Zeichenschule begann Schultze-Naumburg zu schreiben, zunächst Aufsätze, vielfach über Ausstellungen und zeitgenössische Künstler.
Bald erschienen die ersten Bücher, die sich vorerst noch ausschließlich mit Fragen der Malerei beschäftigten, wie etwa: „Die Technik der Malerei“ (1898). Der Untertitel „Ein Handbuch für Künstler und Dilettanten“ gibt bereits zu erkennen, dass Schultze-Naumburg sich nicht nur an den akademisch ausgebildeten Maler wenden wollte, sondern auch an den Laien.

 

Porträt Paul Schultze-Naumburg 1919   Paul Schultze-Naumburg, o.T. (Saalelandschaft), 1899, Öl auf Papier, 69x98,7 cm
Porträt Paul Schultze-Naumburg   Saalelandschaft - Öl auf Papier
     
Stets ging es ihm um Breitenwirkung anfangs als Pädagoge und Publizist, später auch als Heimatschützer und Architekt.
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war der Name Schultze-Naumburg kein unbekannter. Er hatte das in erster Linie seinem pädagogischen Eifer und seinem publizistischen Fleiß zu verdanken, weniger seiner künstlerischen Tätigkeit als Maler.
  Unterschrift von Paul Schultze-Naumburg
 
Vom Genre her betrachtet, war Schultze-Naumburg Landschaftsmaler. An seinen Bildern fällt auf, dass er sich der Natur mit einem sensiblen, aber keineswegs traumverlorenen Auge näherte. Übermäßige Symbolik und Raffinesse waren ihm fremd. Prägend für ihn war eine „empfindsame Nüchternheit“. Mit dieser Kombination tastete er sich gleichsam vor zu seinen künftigen Aufgaben als Architekt, vor allem als Lebensreformer.
 
Der spätere Architekt Schultze-Naumburg lernte von dem Maler die vorzügliche Einfügung seiner Bauten in die Landschaft; der Lebensreformer Schultze-Naumburg profitierte vom aufmerksamen Landschaftsmaler und erkannte, wie sich die gesamte Umwelt, in immer schnellerer und radikalerer Weise wandelte – keineswegs nur zum Positiven. Schultze-Naumburg, der kein imaginäres Arkadien malen wollte, sondern das, was er mit eigenen Augen sehen konnte, musste schmerzhaft feststellen, dass die Motive für seine Malerei in einem beängstigenden Ausmaß schwanden.
 
Allerdings war er nicht der Typus des weltabgewandten Künstlers, der in sanfter Melancholie resigniert, sondern ein ungemein selbstbewusster und tatkräftiger Mensch. Er nahm sich nichts Geringeres vor, als alle Welt auf diese verhängnisvolle Entwicklung seit der Industrialisierung aufmerksam zu machen, sie zu stoppen und den Weg zur Besserung einzuleiten.
 

 

  Zurück zur Hauptseite