Paul Schultze-Naumburg - Die Berufung nach Weimar 1930

Weimarer Hochschule   Nach den thüringischen Landtagswahlen im Dezember 1929 wurde die NSDAP erstmals in Deutschland an einer Regierung beteiligt. In der Anfang 1930 gebildeten rechtskonservativ-nationalsozialistischen Landesregierung erhielt der „alte Kämpfer“ Wilhelm Frick die Schlüsselressorts des Innen- und Bildungsministeriums.
In dieser Position ernannte er seinen Gesinnungsgenossen Paul Schultze-Naumburg noch im gleichen Jahre unter großem Aufsehen zum Direktor der Vereinigten künstlerischen Lehranstalten zu Weimar mit dem Ziel, diese von den Resten der „kulturbolschewistischen“ Bauhaus-Ära „zu säubern“.
Diese Berufung war programmatisch als Traditionsbruch gemeint.
Denn im Jahre 1919 waren die beiden Vorgängerinstitutionen der Lehranstalten die (Großherzoglich Sächsische Hochschule für Bildende Kunst in Weimar und die einstige großherzogliche Kunstgewerbeschule Weimar) zum sowohl gefeierten als auch umstrittenen „
Staatlichen Bauhaus“ umgestaltet worden.
Hauptgebäude der
Weimarer Hochschule
   

 

Nachdem es 1925 einer rechtsgerichteten Landesregierung gelungen war, das Bauhaus aus Weimar (nach Dessau) zu vertreiben, hatte der Architekt Otto Bartning die verbliebenen Reste der Lehranstalt übernommen und versucht, einzelne Ideen des Bauhauses in der nun sogenannten „Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst“ fortzusetzen.
 
Für Schultze-Naumburg blieben aber auch Bartnings Vorstellungen unannehmbar. Er erblickte in der Moderne in erster Linie eine Form der Zerstörung aller Kultur. Nur in Anbetracht einer solchen Grundüberzeugung lässt sich die Intoleranz erklären, die er als Direktor der Weimarer Kunstschulen zeigte.
Er selber schrieb darüber: „Ich sah . . . bald, dass ich ohne eine sehr gründliche Auswechslung des Lehrkörpers nicht zur Erreichung meiner Ziele kommen konnte.“
Diesen Zielen fielen die meisten Lehrkräfte zum Opfer, die ihre Entlassung erhielten. Nur wenige blieben im Amt, kein einziger aus dem Fachbereich Architektur.
Nach Frick verlor auch Schultze-Naumburg 1931 kurzzeitig seinen Posten. Ein Jahr später gab es aber schon eine NS-Landesregierung. Schultze-Naumburg erhielt seinen Posten zurück und behielt die Leitung der Hochschule bis zu seiner Pensionierung 1940.

 

Sogleich mit seinem Amtsantritt 1930 inszenierte Schultze-Naumburg einen Bildersturm. Er ließ im Weimarer Schlossmuseum die Bilder der „entarteten“ Kunst u.a. von Ernst Barlach, Charles Crodel, Otto Dix, Erich Heckel, Oskar Kokoschka, Franz Marc, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff entfernen. Im Oktober 1930 wurde das in einem Treppenhaus der Weimarer Hochschule verbliebene, vom Bauhausmeister Oskar Schlemmer 1923 geschaffene Wandgemälde zufolge seiner Anordnung vernichtet (1979/80 rekonstruiert).
Obwohl derartige Aktionen vor der NS-„Machtergreifung“ im Reich für Aufsehen sorgten und ein Vorbild für spätere Attacken gegen die Moderne darstellten, war die Weimarer Hochschule mit ihrer kulturpolitischen Ausrichtung nach 1933 nur noch eine „gleichgeschaltete“ Institution neben vielen anderen und Schultze-Naumburg ins kulturelle Abseits geraten.
Selbst an der berüchtigten, 1937 eröffneten Ausstellung „
Entartete Kunst“, wurde er nicht beteiligt, obwohl er sich in exponierter Weise mit seinen Aktionen 1930 und seinen Schriften, wie etwa „Kunst und Rasse“, dafür vorzüglich „qualifiziert« hatte.

 

70.Geburtstag im Familienkreis   Im Jahre 1940 wurde Schultze-Naumburg als Rektor der „Staatlichen Hochschulen für Baukunst, Bildende Künste und Handwerk“ in Weimar verabschiedet.
In den folgenden Jahren trat er öffentlich kaum noch in Erscheinung. 1944 erhielt er den
Adlerschild des Deutschen Reiches.
70.Geburtstag im Familienkreis    

 

Totenmaske von Paul Schultze-Naumburg   Nach dem Ende des Krieges aus seiner Weimarer Villa vertrieben und des Großteils seines Besitzes beraubt, fristete er noch einige Jahre ein Leben, das durch Armut und fortscheitende Erblindung gekennzeichnet war.
Am 19. Mai 1949 verstarb der Maler, Architekt, Kulturreformer und „Kulturkämpfer“ in einer Jenaer Klinik.
Totenmaske von Paul Schultze-Naumburg    

 

Wildenbruch-Grabmal   Paul Schultze-Naumburgs Urne wurde im Mausoleum des Dichters Ernst von Wildenbruch (1845 – 1909) auf dem Weimarer Hauptfriedhof beigesetzt, das nach dem Entwurf von Paul Schultze-Naumburg geschaffen worden war.
Wildenbruch-Grabmal mit Grabtafel    

 

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