Erdmagnetfeld Das Magnetfeld der Erde, Gitterstrukturen des Erdmagnetfeldes

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5 - Der Ansatz zum Grundfeld

5.1 - Grundschwingungen

Aufgrund der bisherigen Betrachtung liegt der Schluss nah, dass das Magnetfeld der Erde eine symmetrische Struktur bzgl. eines dreiachsigen Ellipsoids besitzt. In dieser Struktur treten bestimmte Winkel auf, die ganzzahlige Teile von 360 Grad sind.
Sieht man einmal von den eigentlichen felderzeugenden Elementen im Erdinneren ab und konzentriert sich lediglich auf das äußere, die Erde umspannende Feld, so lässt das folgenden Ansatz zu:
Das Gesamtfeld der Erde lässt sich, nach dem Huygenschen Prinzip (Huygens - niederländischer Physiker, 1629-1695), mittels eines Spektrums diskreter Frequenzen und global fixierter „Quellpunkte“ erklären. Und zwar als Summe einer Menge von stehenden räumlichen Wellen, den sogenannten Grundschwingungen (Elementarwellen). Diese breiten sich von den „Quellpunkten“ aus, und durch Überlagerung aller Schwingungen entsteht - als stationärer Zustand - das Erdfeld.

 

5.2 - Das Modell

Um die eigentlichen Quellpunkte des Feldes und der Grundschwingungen zu bestimmen, bedarf es, wie schon erwähnt, einer zweidimensionalen Fourier-Analyse (siehe Kapitel 8). Zur Veranschaulichung genügt hier aber zunächst ein qualitativer Ansatz:
 Grundschwingung   Man stelle sich eine Kugel vor, um die herum sich eine stehende Welle gebildet hat. Analog zum Bohrschen Atommodell, d.h. wenn man nach De Broglie das umlaufende Elektron als Welle auffasst. Dann passt lediglich eine ganze Anzahl von Schwingungen um den gesamten Umfang herum.
Abbildung 5.1 - Grundschwingung   Als Gleichung : Wellenlänge = Umfang/Anzahl der Schwingungen
     
Da die Kugel aber dreidimensional ist, existiert hier noch ein weiterer Freiheitsgrad, und so kann sich senkrecht zur Grundschwingung noch eine weitere stehende Welle bilden. (Nur zur Veranschaulichung : Als Quellpunkt dient der Nordpol (Abb.5.1). Lässt man die Grundschwingung von Nordpol über Südpol wieder zum Nordpol laufen, so ergibt sich die zweite Welle um den Äquator herum).

 

5.3 - Kugelflächenfunktionen

Stehende Wellen auf einer Kugeloberfläche werden als Kugelflächenfunktionen bezeichnet. Es existieren 3 Arten von Schwingungsformen. Siehe dazu auch Torges „Geodäsie“, Seite 41-43.
  Zonale Kugelflächenfunktionen hängen lediglich vom Breitengrad ab
Abbildung 5.2 - zonale Kugelflächenfunktionen    
     
  Sektorielle Kugelflächenfunktionen hängen lediglich vom Längengrad ab
Abbildung 5.3 - sektorielle Kugelflächenfunktionen    
     
  Tesserale Kugelflächenfunktionen hängen vom Breitengrad und vom Längengrad ab
Abbildung 5.4 - tesserale Kugelflächenfunktionen    

 

5.4 - Addition von Sinuswellen

Kugelflächenfunktionen lassen sich als zwei Sinus - bzw. Cosinuswellen darstellen, die senkrecht aufeinander stehen und sich überlagern. Zwei solcher Wellen lassen sich nach folgenden qualitativen Regeln addieren:
     
 Addition zweier Sinuswellen   1) + und + ergibt +
2) - und - ergibt -
3) + und - ergibt 0

Wie zu sehen ist, ergeben sich Felder mit verschiedenen Vorzeichen bzw. verschiedenen Zuständen. Es existieren drei Schwingungszustände: positiv(+), negativ(-), neutral(0).

Abbildung 5.5 - Addition zweier Sinuswellen    
     
 Entstehung des Grundfeldes   Auffallend ist, dass alle Nullfelder diagonal zueinander liegen. Verbindet man nun die Nullfelder miteinander, so ergibt sich das nebenstehende Bild.

Im weiteren Verlauf wird dieses gitterartige Schwingungsgefüge als Grundfeld bezeichnet. Die erzeugenden Sinuswellen heißen dann Grundschwingungen.

Abbildung 5.6 - Entstehung des Grundfeldes    

 

5.5 - Das Grundfeld

Überlagert man zwei Sinuswellen, die senkrecht aufeinander stehen, quantitativ so ergeben sich die Abbildungen 5.8 und 5.9. Deutlich zu erkennen sind die exakte Gitterbildung, sowie die abwechselnde Polarität der einzelnen Felder. Mathematisch gesehen lassen sich Grundfelder bzw. tesserale Kugelflächenfunktionen durch die Multiplikation zweier Sinus bzw. Kosinuswellen darstellen. Es entstehen so Terme, wie sie in der Gleichung von Gauß (Kapitel 2.7) auftreten. Siehe dazu auch Kapitel 10.3.
Da sich ein komplettes streckenmassig quadratisches Gitter auf einer Kugel nicht verwirklichen lässt, entstehen Schwingungssysteme, die gestaltet sind wie das geographische Gittersystem. Es existieren immer zwei Pole. Die zugehörigen Meridiane und Breitenkreise bilden dann das Gittersystem.
Durch den Sonnensatteliten Soho sind Bilder auf Radarbasis entstanden, die eindeutig Grundfelder bzw. tesserale Kugelflächenfunktionen auf der Sonnenoberfläche zeigen. Da erhebt sich die Frage ob das Magnetfeld der Erde nicht auch solche Schwingungsstrukturen ausgebildet hat.
Anfang der 50er Jahre im vorigen Jahrhundert beschrieb Dr. med. Ernst Hartmann ein Gittersystem, welches in der magnetischen Nord-Süd Richtung verläuft. Dieses Hartmann-Gitter wird im Kapitel 11 ausführlicher behandelt. Mit dem Grundfeldmodell ist ein Ansatz gegeben, das Hartmann-Gitter als magnetische tesserale Kugelflächenfunktion zu beschreiben.
     
  Ein Analogon bilden hier die Chladni-Klangfiguren. Bestrahlt man eine sandbeschichtete Platte mit Schallwellen, so entstehen im Resonanzfall stehende Wellen auf der Platte. Entlang der Nullwerte bleibt der Sand dann liegen und es entstehen die typischen Schwingungsfiguren.
(siehe dazu auch in „Physik“ von Gerthsen, Kneser, Vogel – Kapitel 4.1.5 – Eigenschwingungen deformierbarer Körper)
Abbildung 5.7 - Chladni - Figuren    

 

 Das Grundfeld   Die Überlagerung zweier - senkrecht aufeinander stehenden - Wellen ergibt das bekannte Gittermuster mit den abwechselnden Polaritäten der Gitterfelder. (Abbildung 5.8 und 5.9)
Hier zeigt sich, dass die Feldmaxima in der Mitte der Quadrate punktförmig auftreten, während die Linien aus Nullwerten bestehen - analog zu den Chladni-Klangfiguren.
Abbildung 5.8 - Das Grundfeld    
     
 Das Grundfeld in 3D-Sicht    
Abbildung 5.9 - Die Intensität des Grundfeldes in 3D-Sicht    
 
 
Die Überlagerung zweier Sinuswellen lässt sich dreidimensional auch wie in Abbildung 5.10 darstellen
 

 

Abbildung 5.10 - Grundschwingungen und Grundfeld

 
 
Während der mathematische Begriff der Kugelflächenfunktion nicht nach der Ursache des Schwingungsfeldes fragt, so müssen bei der physikalischen Betrachtung die zugrunde liegenden Wellen mit einbezogen werden. Dies leistet der Begriff des Grundfeldes. Das Grundfeld ist durch die Grundschwingungen definiert.
 

Die Bezeichnung Grundfeld ist als physikalisches Äquivalent
zum Begriff der mathematischen tesseralen Kugelflächenfunktion zu sehen

 

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