Schloss Oberhausen
 
Vor den Toren der Stadt Oberhausen, an der Hauptverbindungsstraße von Alt-Oberhausen zu den 1929 angegliederten Stadtteilen Sterkrade und Osterfeld, liegt das Schloß Oberhausen. Die Anfänge des Rittersitzes Overhus, wie früher sein Name lautete, liegen - wie bei den meisten Ritterhäusern jener Zeit - weitestgehend im dunkeln. Vermutlich reichen die Anfänge des Adelssitzes ins späte 12. oder frühe 13. Jahrhundert zurück. Zur Zeit ist auch immer noch umstritten, ob Henricus Dukere de Overhusa (seit 1220) tatsächlich der erste Besitzer war.

Der Rittersitz Overhus war eine typische Wasserburg und wurde von zwei aus der Emscher gespeisten Gräben umgeben. Sie lag etwa 200 m emscheraufwärts vom jetzigen Schloß. Zu damaliger Zeit wurden die Ritterhäuser auch zum Schutze der Grenzen oder zur Sicherung von Straßenzügen und Flußübergängen angelegt. Die Gebäudeverhältnisse in der Umgebung der Burg Overhus geben Anhaltspunkte für den Zweck der Anlage. Hier war seit alten Zeiten ein wichtiger Emscherübergang, denn sowohl flußauf- als auch -abwärts waren kaum so günstige Übergangsverhältnisse über die Emscher vorhanden, weil es weithin nur versumpfte Gebiete gab.

Die Burganlage selbst war sehr bescheiden, die Gebäude bestanden aus Fachwerkbauten aus Holz und Lehm. Neben dem Herrenhaus als Hauptburg enthielt die Vorburg Stallungen, Scheunen, Werkstätten und Lagerräume.
Die Besitzverhältnisse des Hauses Oberhus im 14. Jahrhundert sind bis heute nicht genau geklärt. Erst im Jahre 1443 wird die Burg als Besitz der klevischen Grafen bezeugt. Von nun an sind bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts Vertreter der Familie v.d. Hoven als klevische Lehnsmänner auf Oberhausen zu finden. Nach jahrelangen Erbstreitigkeiten kam 1615 ein Vergleich zustande, und Conrad von Boenen kam in den Besitz von Overhus.

Aufgrund ihrer Lage an einer wichtigen Übergangsstraße wurde die Burg in Kriegszeiten immer wieder von durchziehendem Kriegsvolk geplündert und in Brand gesetzt. So wurde sie 1598 im Spanisch-Niederländischen Krieg als auch im des 30jährigen Krieges (1618 - 1648) heimgesucht.
In seiner Lage abseits der politischen Zentren war die Emscherburg Oberhausen ein ideales Nest für Geheimkonferenzen. Die wohl wichtigste tagte im Mai 1672. Der Kriegsminister des berühmten Sonnenkönigs Ludwig XIV. hatte den Bischof von Straßburg, dessen Bruder, den Fürsten Wilhelm Egon von Fürstenberg, und den Bischof von Münster um eine Zusammenkunft gebeten. Ein von diesen Herren und dem Fürstbischof von Köln bereits am 4. Januar 1672 verfaßter und ratifizierter Vertrag sollte in die Tat umgesetzt werden. Einen Tag nach der Oberhausener Konferenz überbrachte ein reitender Bote eine Kriegserklärung des Kölner Kurfürsten nach Holland, wie Ludwig XIV. es gefordert hatte. Ludwig hatte bereits einen Monat vorher eine offene Kriegserklärung ausgesprochen, und Münster schloß sich der Erklärung aus Köln sofort an. Bereits im Juni 1672, einen Monat nach der von Schloß Oberhausen ausgegangenen Kriegserklärung an die Niederlande wälzte sich ein französisches Heer von 30.000 Mann aus der Gegend von Kaiserswerth an der damaligen Festung Duisburg vorbei. Das Dorf Meiderich wurde verbrannt und ausgeplündert. Schloß Oberhausen und Burg Vondern wurden angezündet und alles Vieh weggetrieben.

Gut 100 Jahre später, und auch dies gehört zur Geschichte des Schlosses, flutete ein Strom feudaler Franzosen in die hiesige Gegend. Die Angst vor der großen französischen Revolution peitschte sie über die Grenzen. Auf Schloß Oberhausen erhielten sie einen Flügel zugewiesen.

Um diese Zeit war eine furchtbare Mißernte im Oberhausener und Osterfelder Gebiet. Die Preise für Nahrungsmittel waren so hoch, daß der größte Teil der ärmeren Einwohner Gras kochte und aus einem Gemisch von Kleie und Kartoffelschalen Brot backte.

Vor diesem Hintergrund geißelte der Osterfelder Pfarrer Wesener das ausschweifende Luderleben gewisser adliger Emigranten, die sich im Schloß Oberhausen um eine lockere Dame scharten, die sie aus Frankreich mitgebracht hatten: Hortense Riché. Sie war der Anziehungspunkt für die "Kavaliere" ringsum. Deren Auftreten in der Öffentlichkeit, die Gelage im Schloß und die Jagden im Grafenbusch erbitterten den Osterfelder Pfarrer, besonders wegen der schrecklichen Not, in der sich die Bevölkerung befand. Als Hortense krank wurde und merkte, daß es zu Ende gehen würde, ließ sie den Osterfelder Pfarrer kommen, beichtete und vermachte der Kirche allen Schmuck und alles Geld, das sie von ihren Kavalieren für Zärtlichkeiten eingeheimst hatte. Riché wurde auf dem alten Friedhof in Osterfeld begraben. Im Jahre 1770 heiratete Friedrich Adolf Freiherr von Boenen zu Berge und Oberhaus die Erbtochter Wilhelmine Franziska von Westerholt-Gysenberg und nahm auf Grund eines kaiserlichen Diploms vom 27. Juli 1779 Namen und Wappen ihres Geschlechts an. Die Westerholt-Gysenberg blieben im Besitz des Schlosses Oberhausen bis zum Übergang an die Stadt Oberhausen. Nach der Übernahme des Schlosses durch die von Boenens änderten sich die Verhältnisse grundlegend. Es war jetzt nicht mehr ständiger Wohnsitz der herrschaftlichen Familie, weil diese Haus Berge vorzog. Das Anwesen wurde verpachtet und verfiel durch verschiedene Einflüsse.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts begann für Oberhausen eine neue Zeit. Graf Maximilian Friedrich von Westerholt-Gysenberg vermählte sich 1796 mit der Sternkreuz-Ordensdame Friederike Fürstin von Bretzenheim und verlegte seinen Wohnsitz nach Oberhausen. Da das alte Schloß ziemlich verfallen war, beauftragte der Graf den Baumeister August Reinking 1808 mit dem Neubau des heutigen Schlosses. Das Hauptgebäude wurde in den Jahren 1812 - 1818 errichtet. Die letzte Bewohnerin des Schlosses aus der Grafenfamilie, Wilhelmine Karoline, verstarb am 30. September 1858.

Eine neue Zeit war angebrochen, die der Feudalherren und Grafen, der Leibeigenschaft und Großbodenbesitzer war auch bei uns, und bei uns sogar sehr plötzlich, vorbei. Nicht mehr das Schloß, sondern die erste Zeche auf der Heide, Concordia, die Walzwerke und Hochöfen an der Essener Straße und die Fabriken beherrschten die Heide und die früheren Waldgebiete. Als die letzte Reichsgräfin ihre Augen auf Schloß Oberhausen schloß, ertönte schon seit mehr als 10 Jahren der Pfiff der Lokomotiven, die aus einem Bahnhof namens Oberhausen herausfuhren und Material heranholten für Hütten, Zechen und Fabriken und Waren wegtransportierten, die hier von neuen Herren in großem Stil hergestellt wurden. Vier Jahre nach dem Tod der letzten Gräfin entstand die Gemeinde Oberhausen.
Das Schloß Oberhausen verwaiste, die Westerholt-Gysenberg mieden den Adelssitz und lebten fortan auf Arenfels bei Hönningen am Rhein. Schloß Oberhausen wurde 1891 zu Wohnzwecken umgebaut. 1896 kaufte die Stadt den Park südlich der Emscher, den heutigen Kaisergarten, und 1909 auch das Schloß. Im Jahre 1913 wurde die Emscher in ihr neues Abwasserkanalbett gezwungen. 1908 wurde mit dem Bau des Rhein-Herne-Kanals begonnen, der kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges fertiggestellt wurde.

Bereits in den zwanziger Jahren wurden im Kaisergarten Tiere gehalten. 1938 wurde eine 16 ha große Fläche als Wildgehege eingegattert.

Die Nähe zu den Industrieanlagen wurde im zweiten Weltkrieg auch dem Schloß zum Verhängnis. So fiel auch das Parkhaus, das 1903 als Oberhausens erste "Gute Stube" entstanden war, den Bomben zum Opfer; die Pergola am Eingang des Parks steht heute an seiner Stelle. Auch die Schloßanlage erlitt schwere Schäden. Trotz aller Kriegsschäden konnte am 17. August 1947 die Galerie eröffnet werden. 1952 konnte der Wiederaufbau und Ausbau der hinteren Schloßbauten abgeschlossen werden.

Im rechten Flügel der Hofanlage wurde die Schloßgaststätte eröffnet, deren Gastronomie aber bei der Bevölkerung nicht die rechte Resonanz fand. Nach der Einweihung der Stadthalle kam für die Schloßgaststätte das Aus, die Gastronomie wurde nur noch in bescheidenem Rahmen weitergeführt. In den Gaststättenräumen wurde das Stadtarchiv untergebracht. Da das Herrenhaus 1953 für baufällig erklärt wurde, mußte die Galerie ins Hotel Ruhrland ausquartiert werden. Erst großzügige Schenkungen der Industrie, vor allem der GHH zum 200jährigen Bestehen der Antony-Hütte, ermöglichten 1958 auch den Neubau des Hauptgebäudes, das gemäß den Plänen des Baumeisters Reinking mit zwei Seitenflügeln errichtet wurde. Im September 1962 eröffnete die unvergessene Oberbürgermeisterin Luise Albertz die Gedenkhalle ( zur Erinnerung an die Verfolgten der Nazi-Herrschaft ), vor der die Basaltstatue "Die Trauernde" von Professor Willy Meller an die Opfer der Kriege erinnert. Von Mai 1996 bis in den Februar 1998 hinein wurde auf Beschluß des Rates der Stadt das Schloß Oberhausen umgebaut und saniert. Der Erlebniszusammenhang von Schloß und Kaisergarten wurde in den 50er Jahren empfindlich verletzt, die Frontansicht des Schlosses wird seither von der erhöhten Trasse der ehemaligen Sterkrader Straße durchschnitten. Die Wiederherstellung des Zusammenklangs barocker Architektur mit Park- und Wasseransicht war das wesentliche Ziel des Umbaus und der Sanierung. Die Architekten haben die Intention des Baumeisters August Reinking, dessen Entwurfzeichnungen von 1804 - 1814 erkennen lassen, daß die Symmetrie der barocken Gesamtanlage Park, Gartenarchitektur und Gebäudegruppen organisch miteinander verbindet, verwirklicht.

Man gelangt vom Kaisergarten aus durch das "Kleine Schloß" in den kunstvoll gestaltete Innenhof. Die stille Wasserfläche, und die weithin sichtbaren Glashalle mit dem transparenten Aufzug, ist attraktiver Mittelpunkt der Schloßanlage. Im Schloßhof finden im Sommer Konzerte, Theateraufführungen und Lesungen statt. Vom Innenhof aus betritt man durch die neue Glashalle das dreiflügelige Haupthaus des Schlosses, das in allen drei Etagen der Ausstellung bildender Kunst dient. Ebenfalls vom Innenhof aus erreicht man die Gedenkhalle, die Galerie für populäre Kunst, die pädagogische Abteilung sowie das Café und Restaurant. Das Kultur- und Kunstforum mit Trausaal des Standesamtes ist von hier aus gleichfalls zu erreichen.

Das umgebaute Schloß grenzt unmittelbar an das im Herbst 1996 fertiggestellte "CentrO". Seit dem Frühjahr 1998 erstrahlt das Schloß Oberhausen nach umfangreichen Umbauarbeiten in neuem Glanz.