St. Nikolaus in Essen Stoppenberg
 
Durch das Aufkommen des Bergbaus strömten zum Ende des vorigen Jahrhunderts Menschenmassen in das Ruhrgebiet. Hier vor allem in die durch Kohleabbau geprägten Bezirke, so auch nach Essen Stoppenberg.

Die Menschen aus dem Osten waren meist Katholiken. Der Glaube, die Kirche und die Seelsorge ersetzten in mancher Hinsicht den Verlust der Heimat. Zum Sonntagsgottesdienst genügten die vorhandenen Pfarrkirchen nicht mehr. So wurde auch in Stoppenberg die alte Stiftskirche, die als Pfarrkirche diente, allmählich zu klein. Eine Erweiterung dieses würdigen Baudenkmals wurde verständlicherweise abgelehnt.

Regierungsbaumeister Carl Moritz aus Köln erhielt zu Beginn unseres Jahrhunderts den Planungsauftrag für eine neue Pfarrkirche in unmittelbarer Nähe der Stiftskirche am Fuße des Sroppenberges.

Ein kühner Architekt und ein ehrgeiziger Pfarrer entwickelten ein Konzept ganz im Sinne der neuen Stilbewegung der Jahrhundertwende. Bis dahin wurden ausschließlich Sakralbauten im neuromanischen oder neungotischen Stil akzeptiert, im Geist der deutschen Romantik. Der Vollendung des Kölner Doms im neugotischen Stil galt im vorigen Jahrhundert als Vorbild.

Ganz anders sollte in Stoppenberg ein großer Raum geschaffen werden, um alle Gläubigen am Sonntagsgottesdienst unterbringen zu können, mit freiem Blick zum Altar, nicht durch Säulenstellungen gehindert. Hinzu kam die Begeisterung des Architekten nach seiner Italienreise für Monumentalbauten der römischen Kaiserzeit, hier vor allem für die tonnengewölbte riesige Konstantinbasilika mit Kassettendecke. Aus diesen weitgespannten Ideen entstand der Entwurf der St. Nikolaus mit romanischen und gotischen Stilelementen und einem riesigen Tonnengewölbe. Nach außen dominierte ein gewaltigen hoher Baukörper, die Türme traten zurück, erschienen nur noch als Erinnerungen an alte Kirchenbaukunst. Hier wurden viele Stilelemente gesammelt. Das nennt man Eklektizismus, durchdrungen mit Formen der neuen Bewegung des Jugendstils.

Bereits in der Planungsphase im Jahre 1904 riet das Königliche Oberbergamt Dortmund von einer Bebauung des Grundstückes wegen der Erfahrungen mit der benachbarten Stiftskirche ab. Pfarrer und Architekt blieben jedoch bei ihrem Konzert. Ein Bausachverständiger kam zu der Aussage, daß die bergbaulichen Einflüsse durch eine stärkere Bemessung der Fundamente zu beherrschen seien. Daraufhin wurden die alten Fundamente balkenrostartig miteinander verbunden. Doch schon kurz nach der Bauwerksfertigstellung im Jahre 1912 kam es zu den ersten Schäden im Bodenbelag und in den Gewölben.
Bei Untersuchungen im Jahre 1973 stellt sich heraus, daß die Bewehrungeisen der Fundamentbalken nicht fachgerecht verlegt waren und sich infolge der Bergsenkungen aus dem Betonverbund gelöst hatten.

Mit der nachträglichen Sanierung wurden 1973 zusätzlich Druckbalken aus Stahlbeton zwischen den Fundamenten der Innenstützen des Hauptschiffes eingebaut. Diese Balken verbesserten die Wirkungsweise des Fundamentrostes und verhinderten ein gegenseitiges Verschieben der Innenstützen in Kirchenquerrichtung. Zusätzlich erhielt das Mittelschiff eine Stahlbetonplatte. Heute
Die Decke, als Steintonne geplant, wurde in den dreißiger Jahren neu in Sperrholz abgehängt, weil zu viele Putzteile herab fielen.

St. Nikolaus in Essen Stoppenberg wurde zum Zeitpunkt der Errichtung bis zum heutigen Tag als Pfarrkirche für die katholische Gemeinde in Stoppenberg benutzt.
Während größerer Sanierungsmaßnahmen mußte sich zeitweise geschlossen werden. In dieser Zeit fanden die Gottesdienste wieder in der alten Stiftskirche statt.