Krudenburg
 
Die “Historische Relation des Freyadligen Hauses Crudenburg”weiß zu berichten, dass der Name “Crudenburg” herrührt von dem alten sächsischen Gott Crode (auch dem “Kredebeck” in Raabe’s Schüdderump den Namen gegeben), den die Westfälinger, da sie noch Heiden waren, in großer “Veneration” (= Verehrung) gehalten, und haben ihm zu Ehren allerhand Monumenta (Burgen) aufgerichtet, daher “Crodoburg”.
Hernach freilich, bei eingeführten Christentum, hat man dafür gehalten, daß dieser Abgott, um desto mehr davon abzuekeln, einer Kröte ähnlich gewesen, worauf denn auch der Nachbarort Peddenberg hinweiset.
Die Krudenburger, als die Nachkommen Crodos, des Krötengottes, heißen bis auf den heutigen Tag in der ganzen Umgegend “Kickföß” (also Frösche).

In dem Nachbarort Hünxe aber erklärt man den Namen Krudenburg anders: Die Steine einer alten, am Ringwall bei Bergerscholt gelegenen Burg hätten die Krudenburger auf Befehl ihrer Herren auf Schiebkarren über die Lippe herangefahren, d.h. plattdeutsch “gekrüjt”. Daher habe man die neue Burg “Crujenburg” geheißen.
Sowohl Hünxe als auch das heutige Krudenburg gehören aber nicht, wie man das vielleicht vermuten könnte, zum heutigen Kreis Lippe. Der Gedanke liegt nahe, wenn man liest, dass die Krudenburger über den Fluss Lippe herangefahren waren. Doch beide Orte gehören zum heutigen Kreis Wesel. Hünxe, das nur nebenbei, wurde 1092 das erste Mal urkundlich unter dem Namen „de Hungese“ erwähnt

Wie nun letztendlich der Name zustande gekommen sein mag sei dahin gestellt, er wird erstmalig 1363 in einer Urkunde genannt, weil Rutger von dem Butzlar vom Grafen von Kleve das Burghaus Crudenburg als Offenhaus gekauft hat.
Hierzu gehörte die Fischerei in der Lippe, die Wassermühle in der Lippe zwischen Crudenburg und Hünxe samt der dazugehörenden Mahlgerechtsamkeit von einigen Höfen und dem Hünxer Kirchspiel, ferner die jährlichen Renten aus dem Hofe zu Drevenack und allem, was dazu gehörte; viele Flur- und Hofbezeichnungen werden in dieser Urkunde genannt, die uns teilweise heute noch bekannt erscheinen:
Nyenwarte, Aap, Hof Willich, Hof de Drawewinkel, Gut des Widendorn, Gut ther Hegghen, Gut tho Westerhusen, Diderichgut von Lachusen und Gesengut von Lachusen.

In den frühen Jahren des Ortes Krudenburg bis hinein ins Mittelater hatten die Bewohner jedoch nicht viel zu lachen. Geplagt geschunden und ausgeplündert unter dem Herzog Johann I., dem Schönen (1448 - 1481) wurde auch die nähere Umgebung; Dinslaken, Hiesfeld und andere Orte, damals durch Feuer vernichtet.
Danach folgten die Spanier unter dem Herzog von Parma. Dieser verfolgte den Plan, die Ketzer auszurotten - und danach verfuhren seine Leute denn auch. Die Stadt Wesel wurde 4 Jahre lang belagert, 1586 - 1590. Während dieser Zeit wurden die umliegenden Ortschaften, darunter auch Krudenburg, häufig von umherstreunenden Soldaten heimgesucht.
Die anschließende Zeit (“Reformationszeit”) bestand unter anderem darin, die völlig verwirrten Bewohner auf den Dörfern und auch in den Städten, die bereits eingeführte Reformation wieder rückgängig und das Land wieder katholisch zu machen. Das es dabei nicht gerade glimpflich zuging wird in einigen wenigen Überlieferungen ziemlich deutlich dargestellt.
Dazu kamen 1597 die holländischen Armeen und anschließend die der Spanier welche sich in der hiesigen Region mehr als abscheulich verhalten haben. Erst 1609 kam Ruhe mit dem Frieden zwischen Spanien und den Holländern.
Der Friede währte jedoch nicht lange denn bereits im Jahre 1614 kam schon wieder ein gewaltiges spanisches Heer und wütete ähnlich wie in den Jahren zuvor. Erst nachdem die Franzosen die feudalen Verhältnisse nach der großen Revolution weg fegten kehrte auch in Krudenburg etwas Ruhe ein.
So erging es den Krudenburger Bürgern in der langjährigen Geschichte durchaus nicht so vorteilhaft wie in der “Neuzeit” Heute ist Krudenburg ein ruhiges und verträumtes Dorf mit einem kleinen Hauch vom damaligen Fischerdorf und einigen wenigen Erinnerungen an die vergangene Zeit.