GIZEH - GEODÄTISCHE
ERKENNTNISSE
5 - BESTIMMUNG DES BASISUMFANGES DER GROSSEN PYRAMIDE
5.1 - Ein erster Ansatz
| In diesem Kapitel soll
nun eine Bestimmung des Baisumfanges erfolgen. Und zwar
auf eine Art und Weise, wie sie im
naturwissenschaftlichen Bereich üblich ist, wenn aus
vorhandenen Meßwerten eine Gesetzmäßigkeit abgeleitet
werden soll. Alle bisherigen Berechnungen des Pyramidenumfanges beziehen lediglich den Äquatorumfang mit ein. Da die Erde keine Kugel ist, existiert aber nicht nur ein Durchmesser. In erster Näherung läßt sich die Erdgestalt durch eine Ellipse darstellen, die um ihre kleine Achse, also die Polachse rotiert. Solch ein Rotationsellipsoid wird auch Sphäroid genannt. Da Pol- und Äquatorradius voneinander unterschiedlich sind, werden in den folgenden Rechnungen natürlich auch beide verwendet. Dabei ist a die große Halbachse bzw. der Äquatorradius, b ist die kleine Halbachse bzw. der Polradius. Modelle der Erde, die Sphäroide als Grundlage verwenden, heißen geodätische Systeme, und sind im vorherigen Kapitel ja eingehend erläutert worden. Da im Laufe der Zeit verschiedene geodätische Systeme benutzt worden sind, wird hier nicht nur eines, sondern gleich mehrere von ihnen verwendet. Dies hat den Zweck bessere Vergleichsmöglichkeiten zu erhalten, und dadurch Grenzen besser bestimmen zu können. Daher noch einmal eine kleine Übersicht der Werte, für die Systeme, die hier benutzt werden. |
| Jahr der Einführung | Geodätisches System |
2b |
2a |
n |
| 1841 | Bessel | 12712160 | 12754790 | 299 |
| 1909 | IRE | 12713824 | 12756776 | 297 |
| 1961 | WGS | 12713554 | 12756326 | 298,24 |
| 1967 | IUGG | 12713550 | 12756320 | 298,25 |
| 1976 | GRIM2 | 12713540 | 12756310 | 298,255 |
| 1977 | Enz. Brit. | 12713550 | 12756360 | 298 |
| Tabelle 5.1 |
| Wenn die große Pyramide in Relation zu Erddaten steht, ist es durchaus sinnvoll die Umfänge bzw. Achsen der Erde zu gebrauchen. Ein erster allgemeiner Ansatz um den Basisumfang UB der großen Pyramide von Gizeh zu erhalten, besteht dann darin, den (entsprechenden) Erdumfang U durch einen bestimmten Faktor k zu teilen. Mathematisch, also durch eine Gleichung ausgedrückt: |
| UA ist der
Äquatorumfang mit UA = 2·a·pi UP ist der Umfang der Erde, über die Pole gemessen, mit UP = 2·b·pi |
| Genau genommen ist der
Umfang über die Pole ein Ellipsenumfang mit UE
= 2·a·pi ·gamma gamma ist dabei ein Umfangsfaktor, der abhängig von den Achsen ist UE= 2·b·pi ·gamma ·f -1 Dieser Ellipsenumfang wird in die Betrachtung mit einbezogen, und als Gleichung läßt sich das in Übereinstimmung mit der bisherigen Ausdrucksweise so formulieren: |
| Die Fehlerbetrachtung in Kapitel 4 ergab für den Basisumfang der großen Pyramide, den von Cole gemessenen Wert, versehen mit erweiterten Fehlergrenzen: |
| UB : 921,453072 m ± 0,006 m | 921,447 m < UB < 921,459 m |
| Mit den Achsen-Werten der geodätischen Systeme und dem gemessenen Umfang läßt sich eine erste quantitative Bestimmung des Faktors k durchführen. Die oben aufgestellten Gleichungen für den Basisumfang brauchen nur nach k umgestellt zu werden: |
| Und durch Einsetzen der Werte aus den geodätischen Systemen und dem gemessenen Basisumfang in die Gleichungen für den Faktor k ergibt sich: |
| Jahr der Einführung | Geodätisches System | kP | kA | kE |
| 1841 | Bessel | 43340,70793 | 43486,05022 | 43413,36147 |
| 1909 | IRE | 43346,38116 | 43492,82127 | 43419,63184 |
| 1961 | WGS | 43345,46062 | 43491,28704 | 43418,40436 |
| 1967 | IUGG | 43345,44698 | 43491,26658 | 43418,38638 |
| 1976 | GRIM2 | 43345,41289 | 43491,23249 | 43418,35357 |
| 1977 | Enz. Brit. | 43345,44698 | 43491,40296 | 43418,46142 |
| Tabelle 5.2 |
| Aus dieser Tabelle läßt sich eine erste Eingrenzung für k erstellen: |
| 43340 < kP < 43347 | 43486 < kA < 43493 | 43413 < kE < 43420 |
| Wie zu sehen ist,
liegt der Faktor k tatsächlich in der Nähe der Zahl 43200. Als
Konstruktionsvorschrift für den Umfang der großen
Pyramide von Gizeh wird ja immer wieder folgende Rechnung
angegeben: Man nehme den Umfang der Erde und teile ihn
durch 43200. Schränkt man die Betrachtung auf die moderneren Systeme ein, also ohne Bessel und IRE, dann lassen sich die Grenzen sogar noch etwas einengen: |
| 43345 < kP < 43346 | 43491 < kA < 43492 | 43418 < kE < 43419 |
| Die Zahl 43200 wird
oft als Zeitfaktor (1/2 Tag = 43200 Sekunden)
interpretiert. Wie aber schon in der Einleitung erörtert,
wird hier davon abgesehen, da keinerlei Hinweise
vorhanden sind, die dieses unterstützen könnten.
Logischer ist, von der normalen Kreisteilung in Grad,
Minuten und Sekunden auszugehen. Ein Kreis besteht aus 360 Grad, wobei jedes Grad 60 Minuten enthält, und jede Minute wiederum 60 Sekunden besitzt. Insgesamt verfügt ein Kreis also über 360·60² = 1.296.000 Bogensekunden. Um auf den Wert 43200 zu gelangen, muß durch 30 geteilt werden. Das heißt, bei dieser Art der Interpretation würde es sich um einen rein geometrischen Winkel von 30 Bogensekunden handeln. Da in der Bestimmungsgleichung für den Basisumfang der Term 2·pi erscheint, ließe sich der Winkel sogar in Bogenmaß darstellen. |
5.2 - Verfeinerung des Ansatzes
| Für einen verfeinerten Ansatz kann man nun folgendermaßen vorgehen: Als Näherungswert wird 43200 angesetzt, und der Faktor k wird von jetzt ab sozusagen als Korrekturfaktor für den Wert 43200 betrachtet. Dieser Ansatz sieht dann so aus: |
| Die einzelnen Gleichungen werden wieder jeweils nach k umgestellt : |
| Durch Einsetzen der Werte aus den geodätischen Systemen und dem gemessenen Wert für den Basisumfang in die Gleichungen für den Faktor k erhält man dann folgende Tabelle: |
| Jahr der Einführung | System | kP | kA | kE |
| 1841 | Bessel | 1,003257128 | 1,006621533 | 1,004938923 |
| 1909 | IRE | 1,003388453 | 1,006778270 | 1,005084070 |
| 1961 | WGS | 1,003367144 | 1,006742756 | 1,005055656 |
| 1967 | IUGG | 1,003366828 | 1,006742282 | 1,005055240 |
| 1976 | GRIM2 | 1,003366039 | 1,006741493 | 1,005054481 |
| 1977 | Enz. Brit. | 1,003366828 | 1,006745439 | 1,005056977 |
| Tabelle 5.3 |
| Aus der Tabelle 5.3 lassen sich die maximalen Grenzen der k-Faktoren ableiten: |
| 1,00325 < kP < 1,00339 | 1,00662 < kA < 1,00678 | 1,00493 < kE < 1,00509 |
| Schränkt man die Betrachtung auch hier auf die moderneren Systeme ein, also ohne Bessel und IRE, dann lassen sich die Grenzen noch weiter einengen: |
| 1,003366 < kP < 1,003368 | 1,006741 < kA < 1,006746 | 1,005054 < kE < 1,005057 |
| Wird (wie leider
allgemein üblich) der Faktor k gleich 1 gesetzt,
so erhält man, (bei weiterer Rechnung mit dem Äquatorradius),
etwa den von Fix errechneten Wert für den Sockelumfang. Über den Basisumfang ist damit aber noch nichts ausgesagt. Die nahe 1 liegende Größe für den Korrekturfaktor k scheinen den meisten Pyramidenforschern nichts zu sagen. Hat man sich jedoch ein wenig mit Ellipsenmathematik bzw. geodätischen Systemen beschäftigt, so kommt einem diese Faktor- größe irgendwie bekannt vor ! |
5.3 - Quantisierung des Ansatzes
| Vergleicht man nämlich mit den Parametern aus den geodätischen Systemen, so ist nun relativ einfach zu zeigen, das kP etwa in der Größe des Kehrwertes des Formfaktors fo liegt. Bei kA handelt es sich etwa um das Quadrat des Kehrwertes des Formfaktors fo. Hier die Werte für die Terme des Formfaktor : |
| Jahr der Einführung | System | ||
| 1841 | Bessel | 1,003355705 | 1,006722670 |
| 1909 | IRE | 1,003378378 | 1,006768169 |
| 1961 | WGS | 1,003364285 | 1,006739888 |
| 1967 | IUGG | 1,003364172 | 1,006739662 |
| 1976 | GRIM 2 | 1,003364115 | 1,006739547 |
| 1977 | Enz. Brit. | 1,003367003 | 1,006745343 |
| Tabelle 5.4 |
| Bildet man aus der Tabelle 5.4 die maximalen Intervalle, so erhält man: |
| 1,003355 < | < 1,003379 | 1,006722 < | < 1,006769 |
| Bildet man aus der Tabelle die Intervalle mit den Werten aus den moderneren Systemen, so erhält man: |
| 1,003364 < | < 1,003368 | 1,006739 < | < 1,006746 |
| Hier noch mal die maximalen Grenzen der k-Faktoren: |
| 1,00325 < kP < 1,00339 | 1,00662 < kA < 1,00678 |
| Einschränkung der k-Faktoren auf die moderneren Systeme, also ohne Bessel und IRE, ergibt: |
| 1,003366 < kP < 1,003368 | 1,006741 < kA < 1,006746 |
| Durch Vergeich läßt sich eine ziemlich gute Übereinstimmung zwischen den kP und kA Faktoren und dem Formfaktor fo sowie deren Intervalle verzeichnen. Damit lassen sich jetzt folgende Relationen für die Korrekturfaktoren aufstellen: |
| Mit diesen Relationen lassen sich die Gleichungen für den Basisumfang der großen Pyramide nun folgendermaßen angeben: |
| G1 |
| G2 |
| Einsetzten der Werte aus den geodätischen Systemen in die Gleichung G1 liefert dann folgende Werte für den Basisumfang: |
| Jahr der Einführung | Geodätsches System | UB-GeoSys |
| 1841 | Bessel | 921,3625421 |
| 1909 | IRE | 921,4623238 |
| 1961 | WGS | 921,4556979 |
| 1967 | IUGG | 921,4555119 |
| 1976 | GRIM2 | 921,4548391 |
| 1977 | Enz. Brit. | 921,4529113 |
| Tabelle 5.5 |
| Bildet man aus der Tabelle 5.5 die maximalen Intervalle mit den Werten, so erhält man: |
| 921,3625 m < UB-GeoSys < 921,4624 m |
| Einschränkung der Intervalle auf die modernen Systeme liefert: |
| 921,4529 m < UB-GeoSys < 921,4557 m |
| Zum Vergleich noch mal die Werte aus dem Fehleransatz: |
| UB : 921,453072 m ± 0,006 m | 921,447 m < UB < 921,459 m |
| Wie zu sehen ist, stimmt das mit dem gemessenen Wert von Cole ziemlich gut überein. Die Abweichung liegt lediglich bei etwa 3 mm, und damit innerhalb der vorgegebenen maximalen Fehlergrenze, wenn man sich auf die modernen Systeme beschränkt. |
| Der Bessel-Wert ist fast 1 cm zu klein, und der IRE-Wert etwa 1 cm zu groß. Daher werden sie in den weiteren Betrachtungen zwar noch benutzt, aber in den Rechnungen kann man sich auf die modernen geodätischen Systeme beschränken. |
| Der Basisumfang läßt sich mit hinreichender Genauigkeit aus den Daten der modernen geodätischen Systeme ableiten (G1 und G2). |
5.4 - Resultat
| Der Formfaktor fo ist definiert als: fo= b/a |
| Einsetzen in die obigen Gleichungen G1 und G2, liefert eine einzige Gleichung. Und zwar: |
| Für die Radien der Schmiegekreise einer Ellipse gelten die folgenden Beziehungen. r1 ist dabei der Radius des kleineren Schmiegekreises, r2 entspricht dem größeren Schmiegekreis |
| Damit läßt sich die End-Gleichung für den Basisumfang auch so formulieren: |
| G3 |
| Das bedeutet also, das der Basisumfang der großen Pyramide nicht auf die Achsen der Erdellipse bezogen sind, sondern auf den kleinen Schmiegekreis. Dies ist durchaus sinnvoll, da dieser kleinere Radius auch als Parameter zur Beschreibung von Ellipsen in der Kegelschnittform benutzt wird. Es gilt ja: r1 = p |